Was ist Plutokratie?

Lange Zeit war es still um die Plutokratie geworden. Niemand wollte das Tabu brechen und den von Nationalsozialisten beschädigten Begriff der Plutokratie in den Mund nehmen.
Das neue Jahrtausend hat die etwas angestaubte Plutokratie dem bildungssprachlichen Gebrauch entrissen und ihr zu neuem Glanz verholfen.
Einen wesentlichen Anteil an der begrifflichen Wiedergeburt der Plutokratie haben die sich verschärfende Zinseszins-Problematik und die mit ihr verbundene Krise des Kapitals.
Es sind bald wieder 75 Jahre vergangen und die Prognosen von der zyklischen wiederkehrenden Krise des Kapitals erfüllen sich leider zum wiederholten Mal.
Plutokratie, die
Wortart:
Substantiv, feminin
Gebrauch:
bildungssprachlich
Worttrennung:
Plu|to|kra|tie
Bedeutungen:
Staatsform, in der die Besitzenden, die Reichen die politische Herrschaft ausüben, Geldherrschaft
Staat, Gemeinwesen, in dem eine Plutokratie besteht
Synonyme zu Plutokratie:
Aristokratie, Adelsherrschaft, Oligarchie
Herkunft:
(französisch plutocratie ) griechisch ploutokratía, zu: ploũtos = Reichtum und -kratie
Online-Duden: Plutokratie
Die Plutokratie oder Plutarchie (griechisch πλουτοκρατία plutokratía Reichtumsherrschaft, von πλοῦτος plútos = Reichtum und κρατεῖν krateín = herrschen) ist eine Herrschaftsform, in der Herrschaft durch Vermögen legitimiert wird, also die Herrschaft des Geldes (auch «Geldadel» genannt). Politische Rechte werden anhand des Vermögens vergeben (z. B. über das Zensuswahlrecht). Die Plutokratie ist eine Unterform der Oligarchie.
Wikipedia: Plutokratie

Die plutokratische Selbstauflösung

Der folgende Text baut auf dem Artikel über die Oligarchie auf»
Plutokratie und Oligarchie sind untrennbar miteinander verbunden. Wie die Oligarchie ist die Plutokratie eine gesellschaftliche Zerfallserscheinung, die am Ende eines sozialen Zyklus auftritt.
Oligarchie und Plutokratie sind sich sehr ähnlich. Oberflächlich betrachtet fällt es schwer die Oligarchie von der Plutokratie zutrennen.
Erst bei vertiefter Betrachtung werden die Unterschiede zwischen oligarchischen und plutokratischen Zerfallserscheinungen greifbar. In beiden Fällen handelt es sich um eine Form der Entartung. Die Oligarchie ist Entartung der Aristokratie und die Plutokratie die Entartung der ökonomischen Verhältnisse.
In oligarchischen Systemen ist die Macht an den Status gebunden und vererbbar. In der Plutokratie ist (im Gegensatz zur Oligarchie), die Macht an den Besitz und den Status gebunden. Ohne Besitz keine Macht und keinen Status. Unter plutokratischen Verhältnissen ist der Status nur mit dem Besitz vererbbar (verarmte Aristokraten haben mit dem Vermögen ihren Status verloren).
Im realen Leben fällt dieser Unterschied nicht so ins Auge, den wer an der Macht ist, ist automatisch auch reich. Aber zum Verständnis der Plutokratie ist es hilfreich, diesen Unterschied vor Augen zu halten.
Die Oligarchie ist ein soziales Korrektiv, es ist ihre Aufgabe Fehler aus der Vergangenheit zu korrigiert. Die oligarchische Krise mündet in eine (nicht immer gewaltsame) Revolution, die einen gesellschaftlichen Neuanfang ermöglicht. Oligarchische Zerfallsphasen können als den gesellschaftlichen Organismus reinigende Fieberkrankheiten gesehen werden.
Die Plutokratie kann als eine verschärfte Form der Oligarchie aufgefasst werden. Anders als bei der Oligarchie steht der Besitz, das Geld im Zentrum der plutokratischen Machtausübung. Der Status ist im plutokratischen System sekundär, er ergibt sich aus dem Besitz. In den zeitgenössischen Plutokratien verstecken sich die herrschenden Superreichen anonym im Hintergrund.
Während in oligarchischen Systemen nur die herrschende Klasse entartet, korrumpiert die Plutokratie die ganze Gesellschaft. Das Streben nach Reichtum zersetzt die gesamte Gesellschaft und setzt Sitten und Moral ausser Kraft.
Nach oligarchischen Zerfallsphasen gesundet die Gesellschaft und die Menschen haben wieder eine Zukunft. Nach dem plutokratischen Zerfall kommt das Nichts. Die Gesellschaft hört auf zu existieren. Sie verliert sich im Zeitenstrom oder wird durch konkurrierende Mächte militärisch besiegt und unterworfen.
Die spätrömische Dekadenz ist das Produkt eines plutokratischen Zerfalls, der in der finalen Endphase zum Niedergang Roms führte.
Die neuere Schweizer Geschichte ist ein gutes Beispiel für das Zusammenspiel von oligarchischem Zerfall und revolutionären Neubeginn. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Ancien Régime überwunden und die Confoederatio Helvetica, die moderne Eidgenossenschaft gegründet. Vor dem Zweiten Weltkrieg musste das liberal/konservative Bürgertum seinen Alleinführungs-Anspruch aufgeben und die Arbeiterschaft an der Macht beteiligen (Zauberformel). Der neu geschlossene soziale Frieden legte den Grundstein zum wirtschaftlichen Aufstieg der Schweiz.

Woran erkennt man den plutokratischen Zerfall?

  • Mammonismus: Käuflichkeit von Amt, Posten und politischen Einfluss.
  • Dekadenz: Monetarisierung aller zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Menschen verkehren nur noch auf der Basis von Gefälligkeiten und Provisionen miteinander.
  • Zensur: Monopolmedien verdrängen die freien und unabhängigen Medien.
  • Monopolwirtschaft: Monopole zerstören die freie Marktwirtschaft.
  • Herrschaft der Wenigen: Die Monopole bestimmen die Gesetzte; PolitikerInnen bedienen nur noch die Interessen der Superreichen.
  • Die soziale Mobilität nimmt ab: Zwischen den sozialen Schichten findet keinen Transfer mehr statt.
  • Die Chancengleichheit nimmt ab: Der freie Zugang zur Bildung ist nicht mehr gewährleistet.
  • Kollektive Verarmung: Zerfall des Mittelstandes; bis nur noch viele Arme und wenig Reiche übrig bleiben.
  • Zerfall der sittlichen Ordnung: Überhandnehmen von Egoismus, Materialismus und Hedonismus.
  • Verfall des Gemeinwesens: Der erodierte Staat löst sich in gewaltsamer Anarchie auf.

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