Was ist eine faschistoide Haltung?

Faschistoide oder nicht?

Wer oder was ist faschistoide? Eine schwierige Frage!
So etwas wie einen Faschismus-Koeffizienten, der genau festlegt was Faschistisch oder Faschistoide ist, gibt es nicht.
Was Faschistoide und/oder Faschistisch ist, ergibt sich aus dem Zusammenhang. Wenn ein konservativer Politiker seinem Unmut über Sozialhilfeghettos lautstarke Luft verschafft und sich abfällig über Hartz-Penner äussert, muss dies lange nicht faschistoide sein. Handkehrum können dieselben Worte, wenn sie von einem notorischen Rechtsextremisten geäussert werden, sehr wohl faschistoide sein.
Der Vorwurf faschistoid oder ein Faschist zu sein ist ein Totschlagargument. Mittlerweile gehört es zum politischen Tagesgeschäft, die Gegner mit dem Faschismus-Vorwurf zu deskreditieren. Wenn die eigenen Argumente nichts taugen und/oder nicht adäquat vertreten werden, fällt der Griff zur Nazikeule (zu) leicht.
Durch den missbräuchlichen Griff zur Nazikeule, wird sie mit der Zeit stumpf. Mit der Nazikeule verhält es sich so wie mit der Rettung von Ertrinkenden. Wenn ein Schwimmer zum Spass an der Freude immer wieder nach Hilfe ruft, wird ihn in einer Notsituation niemand retten.
Es gibt gute Gründe mit dem behördlichen Gutmenschentum unzufrieden zu sein und griffige Massnahmen gegen den Sozialmissbrauch zu fordern. Allerdings macht es einen Unterschied, ob die Behebung eines Missstandes angemahnt oder die Marginalisierung von Sozialschwachen gefordert wird.
Wer öffentlich die offizielle Geschichtsschreibung in Zweifel zieht, muss noch lang kein ewig-gestriger Nazi oder Faschist sein. Widersprüchen in der offiziellen Geschichtsschreibung aufzudecken und zu klären, ist legitim. Ob ein Zweifler ein ewig-gestriger Revisionist ist oder nicht, zeigt sich an dessen Intentionen.
Die Nationalsozialisten haben nicht die Runen, die Magie und die schwarze Ästhetik erfunden. Die Nazis haben sich ihre Ideologie aus den verschiedensten in den 1920er Jahren mainstream-fähigen ideologischen Versatzstücken zusammen geschustert.
Wenn SMler, Neuheiden, Goths und Havymetal-Fans sich der schwarzen Ästhetik bedienen, muss dies noch lange (es kann aber) nicht faschistoide sein. Feuerspiele, schwarze Kostüme und martialische Choreografien sprechen weite Bevölkerungskreise an.

Was ist Faschistoide?

Faschistoide Handlungen, sind Handlungsweisen die darauf abzielen die Menschen zu entrechten, zu enteignen, zu bevormunden und sie ihrer bürgerlichen und demokratischen Rechte zu berauben.
Dem Faschismus Vorschub leistende Handlungen lassen sich in drei Kategorien einordnen.
a) Ein faschistoides Klima schaffen: Handlungen, die ein Klima der Missgunst, des Hasses und der Intoleranz schaffen.
b) Schaffung faschistoider Strukturen: Handlungen, die gut gemeint sind, aber ungewollt zur Entstehung von faschistoiden Strukturen beitragen.
c) Offene oder verdeckte faschistoide Machtergreifung: Handlungen, die offen oder verdeckt auf eine faschistische Machtergreifung hinarbeiten.

a) Ein faschistoides Klima schaffen

Der Faschismus fällt nicht einfach so vom Himmel. Damit die Menschen ihre Freiheit freiwillig aufgeben und dem Faschismus an die Macht verhelfen, muss ein entsprechendes Umfeld geschaffen werden.
Der Faschismus gedeiht am besten in einem mit Angst, Missgunst und Hass durchsetzten Klima. Ein mit Angst und latenter Gewalt durchsetztes Klima entsteht, wenn über längere Zeit die Menschen indoktriniert und verunsichert werden. Wenn den Menschen ohne Unterlass erzählt wird, dass ihre Arbeit, ihre Rente und ihr sozialer Status nicht sicher sind, beginnt sich Verunsicherung breitzumachen. Werden in einem nächsten Schritt den Menschen Sündenböcke für ihre Malaise angeboten und äussere Bedrohungen herbeigeredet, beginnt sich die breitgefühlte Verunsicherung, mit Hass und latenter Gewaltbereitschaft zu durchmischen. Wenn der Druck lange genug (über Jahre und Jahrzehnte) aufrechterhalten und stetig erhöht wird, dann entsteht ein Klima, in dem das Undenkbare denkbar wird.
Zur Entstehung eines faschistoiden Klimas tragen die Massenmedien und die PolitikerInnen massgeblich bei.
PolitikerInnen, die von der Schaffung und Bewirtschaftung unbewirtschaftbarer Probleme leben.
Massenmedien die um der Auflage willen Gefahren herbeireden und aufbauschen.
Leute, die das sagen was alle denken, aber keiner zu sagen wagt.
Problem-Bewirtschaftungs-Fachleute müssen immer und vor allem immer mehr liefern. Egal ob sich das Problem gelöst hat oder der Missstand beseitigt wurde, es muss geliefert werden. Wenn die Tatsachen nichts mehr hergeben, dann werden neue erfunden.

b) Schaffung faschistoider Strukturen

Jedes Mal wenn eine Strukturbereinigungs-, und/oder Sparmassnahme durchgeführt oder irgendetwas optimiert oder reformiert wird, geht ein Stück Demokratie verloren.
Wenn Ämter ihren Service reduzieren, Beratungsstellen geschlossen und Hilfsangebote eingestellt werden oder Gemeinde fusionieren, verlieren die BürgerInnen ein Teil ihrer Mitbestimmungs- und Gestaltungsrechte.
Je mehr sich der Staat aus seiner Verantwortung stiehlt, umso grösser wird die Gefahr, dass der mündigen Bürger, zum Bittsteller degradiert wird. Aus der Mitbestimmung an der Gemeindeversammlung wird ein Bittgang zur allmächtigen Bürokratie.
Wenn die Macht zentralisiert wird und lokale Entscheidungen von anonymen Bürokraten gefällt werden, ist das Mitbestimmungsrecht des Bürgers in Gefahr.
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Anstatt die Effizienz des Staates gesteigert zu haben, ist am Ende aus dem mündigen Bürger ein willfähriger und rechtloser Untertan geworden.

c) Offene oder verdeckte faschistoide Machtergreifung

Dass Faschisten offen, mit Gewalt die Macht ergreifen, ist aus der Mode gekommen.
Die modernen Faschisten haben sich ihrem zivilen Umfeld angepasst. Sie laufen in Alltagskleider herum, benehmen sich normal und sehen sich selber nicht als Faschisten. Sie sind sich der Konsequenzen ihrer Handlungen nicht bewusst oder wollen sie nicht sehen (und wenn sie Geld als Lobbyisten verdienen, verdrängen sie die Folgen ihres Handelns).
Die faschistoide Machtergreifung läuft auf oberster Ebene, für alle gut sichtbar ab. Die faschistoide Machtergreifung beginnt, wenn sich die politische Elite sich vom Volk abwendet und zur Interessenwahrerin der reichen, besitzenden Klasse (Oligarchie) wird.
Das Ziel des Systemwechsels ist es, die Menschen zu enteignen und zu entrechten (exponentielle Wirkung des Zinseszins). Aus dem mündigen und mitgestaltenden Bürger soll ein Untertan werden, dessen einziger Daseinszweck es ist, den Reichtum der Reichen zu mehren.
Der Systemwechsel läuft in einem langsamen, legalen aber ilegtimen, auf Zeit ausgelegten Prozess, auf mehreren Ebenen, ab:
  • Die demokratischen Rechte werden verwässert.
  • Die Bürokratie erhält sukzessive mehr Macht und Mittel.
  • Der Staat wird zentralisiert.
  • Der Staat tritt hoheitliche Kompetenzen an supranationale Organisationen ab.
  • Die Reichen werden steuerlich entlastet und die Normalverdiener mehrbelastet.
  • Staatliche Vorschriften ersticken langsam das freie Unternehmertum.
  • Die Presse, die vierte Macht im Staat, wird boulevardisiert.
  • Die Medienkonsumenten werden desinformiert und nicht mehr informiert.
  • Aus PolitikerInnen werden LobbyistInnen.
  • Exponenten der Oligarchie bemächtigen sich der Legislative.

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